Dr. Zeuner: Zur Nutzung neuer Medien im Magisterstudium Deutsch als Fremdsprache (DaF) an der TU Dresden - Beispiel Hauptseminar Landeskunde und Neue Medien
2. Leistungspotenzen neuer Medien für die Ausbildung von DaF-MagisternAusgehend von den im ersten Abschnitt skizzierten Ausbildungszielen ist zu fragen, welche Leistungspotenzen rechnergestütztes Lernen und Lehren und speziell die Arbeit mit dem Internet für das DaF-Magisterstudium haben: Ist das gleiche Ziel ebenso gut und so rasch mit traditionellen Medien erreichbar und welchen Mehrwert liefert das neue Medium (vgl. [2, S. 6])? Zunächst ist generell zu sagen, dass das Internet im Fremdsprachenunterricht und bei der Ausbildung von Sprach und Kulturvermittlern
auftritt (vgl. GRÄTZ in [3, S.14]). "Das Internet stellt sich also", wie GRÄTZ den Mehrwert dieses Mediums zusammenfasst, "als ein Medium dar, mit dem sich - in unterschiedlicher Akzentuierung - instrumentelle Fertigkeiten, kognitives Vermögen, soziale Kompetenz und emotionale Disposition der Lerner entfalten lassen" [3, S. 15]. Im hier vorzustellenden Hauptseminar wird das Internet als Unterrichtsmedium verwendet, wobei beide Funktionen - die Vermittlung von Wissen und das Internet als Kommunikationsmittel - genutzt werden. Ebenso spielt das Internet als Hilfsmittel zur Unterrichtsvorbereitung eine Rolle, denn mit Hilfe von dort frei zugänglichen Werkzeugen soll durch die Studierenden ein Lernmaterial für landeskundliches und interkulturelles Lernen erstellt werden. KERRES, DE WITT und STRATMANN arbeiten als wesentliches Potential neuer Medien neben einer höheren Flexibilität im Hinblick auf Zeit, Ort und Geschwindigkeit des Lernens ihre Möglichkeit heraus, ein anderes Lernen zu unterstützen: "Als wesentliches Potenzial der digitalen Medien bleibt die Option für ein anderes Lernen: Der Einsatz digitaler Medien eröffnet Lernszenarien, die aktuellen Forderungen nach stärker selbstgesteuertem, anwendungsnahen und kooperativem Lernen entgegenkommen und mit Überlegungen zu einem anderen Umgang mit Wissen in Organisationen (Wissensmanagement) konvergieren. Interessant sind vor allem kommunikative Lernszenarien, die auf Diensten des Internet basieren. Das Internet kann nicht nur für den schnellen und kostengünstigen Versand von Lernmaterialien genutzt werden, sondern bekanntlich auch als Plattform für die Kommunikation zwischen Lernenden und Lehrenden, zur Betreuung und Unterstützung der Beteiligten. ..." [5, S. 6]. Wie diese Möglichkeit für ein stärker selbstgesteuertes, anwendungsnahes und kooperatives Lernen von Studierenden im Hauptseminar wahrgenommen wurde, zeigt folgendes Zitat aus einem parallel zum Seminar angefertigten Lerntagebuch: "Ich fand besonders die Diskussion um die gegenwärtige Situation im Hinblick auf autonomes Lernen interessant. Von uns wird zum Beispiel in diesem Seminar verlangt eine reflektierende Haltung in Bezug auf unser eigenes Lernverhalten niederzuschreiben (durch dieses Lerntagebuch), weiterhin erfolgt ein selbstgesteuertes Lernen durch die Auseinandersetzung mit den Texten und deren Aufgaben auf der Seminarseite. Es müsste viel mehr ein solches Lernverhalten in den Schulen und den Universitäten gefördert werden." (J.R. Oktober 2003). KERRES, DE WITT und STRATMANN plädieren außerdem dafür, die neuen mediengestützten Verfahren nicht als Alternative zu konventionellen Lehrformen zu sehen, sondern sie didaktisch begründet miteinander als hybride Lernarrangements (auch blended learning genannt) zu kombinieren, weil dadurch ihre Potenzen für anderes Lernen besonders zum Tragen kommen (vgl. [5, S. 6]). Aus diesem Grund wird das Lernmaterial im Internet mit einem Präsensseminar im Seminarraum gekoppelt. |